Stand: 09.08.2014
Design: Marcel Röhrig

Jagd auf Rabenväter

Etwa drei Millionen Kinder in Deutschland bleiben nach der Scheidung ihrer Eltern bei einem Elternteil zurück, meist bei der allein erziehenden Mutter. Rund eine halbe Million geschiedene oder getrennt lebende Väter geben nach der Scheidung an, für ihre Kinder keinen Unterhalt bezahlen zu können. Die Beweispflicht  liegt im Zweifel bei den Frauen.Vom Jugendamt bekommen sie einen so genannten Unterhaltsvorschuss: Rund 900 Millionen Euro kostet das den Steuerzahler jährlich – nur ein Bruchteil davon wird zurückgezahlt. Meist bleibt der Staat auf diesen Kosten sitzen! Doch dieser Vorschuss wird maximal sechs Jahre gewährt. Danach muss die Frau sehen, wie sie allein zurechtkommt. Und oft hat das Jugendamt auch keinen Erfolg damit, den Vorschuss vom Vater der Kinder zurückzubekommen. Selbst wenn die Frau ein Gerichtsurteil zu ihren Gunsten erwirkt hat, kann es sein, dass ihr Exmann abgetaucht ist.

Für einige  Frauen ist ein Detektiv die letzte Hoffnung. Mit seiner Hilfe versuchen sie, dem Rabenvater auf die Spur zu kommen, zu beweisen, dass er die Puppen tanzen lässt, durchaus ein Einkommen hat und Unterhalt bezahlen könnte.  

Der Detektiv kennt alle Tricks: mache Männer tauchen ab und hinterlassen keine Adresse. Sie geben vor,  arbeitslos zu sein, arbeiten aber heimlich schwarz. Sie brausen mit einem teuren Wagen durch die Gegend, gehen teuer essen, wohnen in schnieken Häusern, behaupten aber, Wagen, Haus und Geld gehörten der neuen Lebenspartnerin, den Eltern, einem Freund ...

Aber wir kriegen sie, behauptet der Detektiv: 150 Väter hat er in den letzten zwei Jahren observiert. Nur dreißig davon waren wirklich krank oder lebten von Sozialhilfe. Alle anderen arbeiteten und verdienten genug, um Unterhalt zahlen zu können. Manchmal liegt er tagelang auf der Lauer, aber oft geht es auch ganz schnell: wenn der Observierte morgens in seinen Wagen steigt und zur Arbeit fährt, wenn er mit der neuen Lebensgefährtin in teure Restaurants ausgeht und in Edelboutiquen einkauft . Der Detektiv filmt und fotografiert, gut getarnt in seinem Auto. Danach kann die Exfrau den Rabenvater mit den Beweisen konfrontieren oder vor Gericht den Unterhalt einklagen – dieses Mal mit Aussicht auf Erfolg und ohne Chance , dass der Exmann wieder mit Ausflüchten davonkommt.

Doch das Drama hat zwei Seiten: es gibt auch Väter, die klagen, ihre Exfrau ziehe sie aus bis aufs Hemd, habe sogar nach der Trennung ihren Job gekündigt, nur um Unterhalt fordern zu können,  aus Wut über die gescheiterte Ehe , aus Eifersucht auf die neue Freundin. Sie arbeiteten den ganzen Tag und ihnen blieben nach Abzug des Unterhalts gerade mal 900 Euro zum Leben. Auch das neue Unterhaltsrecht halten sie für keinen Ausweg. Es biete zu viele Ausnahmen, und  dann müssten sie doch lebenslänglich zahlen. Zwei besuchen wir im Ausland, wohin sie geflüchtet sind  – Hier kriegt uns keiner, sagen sie.

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